Auf Umwegen zum Wunschberuf

Eine Ausbildung mit 54 Jahren? Kein Problem für Dimitrios Kostoulas. Manchmal dauert es eben länger, bis man weiß, was zu einem passt.

Dimitrios Kostoulas studierte in Griechenland Archäologie und sollte zum Militär. Daraufhin sagte er „Akropolis Adieu!“ und ging nach Deutschland. Hier studierte er Medizin. Bis zum zweiten Staatsexmanen. In dieser Zeit absolvierte er ein Praktikum im Krankenhaus. „Ich konnte gar keinen Bezug zu den Patienten herstellen, denn es ging dort nur um die Krankheit. Man hat den Menschen selbst nicht als Menschen gesehen“, erzählt er rückblickend. Er gab seinen ursprünglichen Wunsch, Arzt zu werden, auf und hing sein Medizinstudium an den Nagel. Doch die Arbeit am Menschen ließ ihn nie los.

„Ich will das Examen in der Tasche haben“

Eine Helfertätigkeit im Meckmannshof, einer Altenhilfeeinrichtung der Perthes-Stiftung öffnete ihm die Augen für den Altenpflegeberuf: „Da sind die Pflegenden so nah an den Menschen, wie es kein Arzt sein kann.“ Nach drei Jahren als Pflegehelfer wollte Dimitrios Kostoulas mehr. Zu dieser Zeit hatte er bereits die Fünfzig überschritten – und entschied sich für die Ausbildung zum Altenpfleger. „Ich wollte eine Ausbildung machen, diese auch beenden, um  letztendlich das Examen in der Tasche zu haben“, sagte er. Seit Oktober 2017 ist er nun Altenpflegeschüler im Perthes-Haus Münster und besucht das Johanniter Fachseminar für Altenpflege.

Empathie und Beobachtungsgabe

Über die Altenpflege sagt er: „In diesem Beruf hilft man den alten Menschen am meisten. Es sind die letzten Etappen des Lebens, und es steht nicht die Krankheit im Vordergrund. Hier geht es besonders stark um das seelische Wohlbefinden,  um die persönliche Zuwendung – der Mensch wird hier als Mensch gesehen.“

„Pflege kann nicht jeder“, sagt der Altenpflegeschüler. „Um herauszufinden, ob der Beruf zu einem passt, sollte man mal hineinschnuppern. Altenpflege ist ein sehr facettenreicher Beruf. Man muss Empathie mitbringen und bereit sein, Menschen zu helfen. Eine Eins in Mathe ist da nicht hilfreich, sondern eine gute Beobachtungsgabe“, so Dimitrios Kostoulas.

Die alten Griechen

Und wie ist es so, im fortgeschrittenen Alter nochmal zu lernen? „Lernen macht nach wie vor Spaß, der Stoff ist interessant – und es fällt mir nicht schwer. Ich sehe da keinen besonderen Unterschied zu den jüngeren Schülern“, berichtet Dimitrios Kostoulas.  Der Grieche hat eine entspannte Haltung zu seinem Alter:  „Man ist alt, wenn man sich über das Alter Gedanken macht. Die 50 ist eine Zahl – mehr nicht.“ Und er stellt einen weisen Bezug zu den griechischen Philosophen her: „Das waren alte Männer, die erst in ihren reifen Jahren das Beste geschrieben haben. Und das sagt doch alles aus, oder?“

 

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