Ausbildung in der Altenpflege mit 45+

Sylvia Adler ist als Quereinsteigerin ein absolutes Vorbild, denn sie hatte mit 45 Jahren nochmal den Mut, eine Berufsausbildung zu machen. Erleichtert wurde der Schritt durch ihre Lebenserfahrung, soziale Kompetenzen und Wissbegierde.

Die erste Ausbildung machte Sylvia Adler als staatlich geprüfte Ökotrophologin, bevor sie ihr Fachabitur nachholte mit der Idee, einmal zu studieren. Nachdem ihre Kinder aus dem Gröbsten raus waren, fing Frau Adler vor 9 Jahren als hauswirtschaftliche Mitarbeiterin im Papst Johannes Paul Stift in Münster an, zunächst auf einer halben Stelle. „Ich suchte eine Arbeitsstelle, die auch aus familiärer Sicht gut in mein Leben passte“, erzählt sie rückblickend.

Lange Hospitation

Die Kolleginnen in der Einrichtung hatten längst Frau Adlers Kompetenzen erkannt und sie wollten sie davon überzeugen,  in die Pflege zu wechseln. Doch damit ließ sich Sylvia Adler Zeit.  „Ich war mir nicht sicher, ob ich das so leisten kann, weil der Beruf eine sehr große Herausforderung darstellt. Ich hatte immer eine hohe Achtung vor der Arbeit der Kolleginnen in der Pflege und vor der Verantwortung, die sie tagtäglich tragen. Außerdem wusste ich nicht, ob ich bestimmte pflegerische Handlungen überhaupt leisten kann“, berichtet sie. Sie nahm sich Zeit, um die Pflege kennenzulernen. Nach und nach bauten sich Barrieren in ihrem Kopf ab. „Ich begleitete die Menschen zu Toilettengängen, lernte die Grundpflege kennen – und mir wurde bewusst, dass es nicht nur um die reine Pflege geht. Es ist das Gespür für die Menschen, und es geht um das, was man von den Menschen zurückbekommt.“ Nach längerer Hospitation entschied sich Frau Adler mit 45 Jahren für eine Ausbildung in der Altenpflege, die sich nach drei Jahren im April 2017 erfolgreich abschloss.

Spaß, Wissen zu vermitteln


In ihrem ersten Beruf reizte Sylvia Adler schon immer die Zusammenarbeit mit jungen Menschen: „Anleiten, erklären, der Umgang mit den jungen Menschen machte mir schon immer viel Freude. Deshalb habe ich schon vor vielen Jahren den Ausbilderschein gemacht. Meine Mutter ist Grundschullehrerin, mein Bruder ist Lehrer, das Lehren liegt bei uns in der Familie“, berichtet sie. Nach ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft bot ihr ihr Arbeitgeber eine Fortbildung zur Praxisanleiterin an. „Gute Praxisanleiter werden immer gesucht – und das ist genau mein Ding“, berichtet Frau Adler. Heute begleitet sie  drei Schüler. Eine Win-Win-Situation sowohl für sie als auch für die Einrichtung. „Mir ist es wichtig, ein fundiertes Wissen weiterzugeben. Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis muss gut funktionieren.“

Profession muss sichtbar werden


„Außerdem ist es mir wichtig, dass Fachsprache angewendet wird und dass Schüler dies vom ersten Tag an vermittelt bekommen. Bei einigen Fachkräften macht sich ein kommunikativer Schlendrian breit, und das schadet unserer Außenwirksamkeit – insbesondere auch im Kontakt mit den Ärzten“, sagt Frau Adler. Bluthochdruck heißt fachsprachlich Hypertonie, und sollte  auch so bezeichnet werden. Ihr ist es wichtig, dass Pflege als Profession angesehen wird. Fachkräfte in der Altenpflege haben ihrer Meinung nach ein anderes Selbstverständnis als Fachkräfte im Krankenhaus. „Das liegt sicherlich auch daran, dass die Krankenpfleger direkt und täglich kontinuierlich mit den Ärzten in Kontakt stehen und dass Fachsprache dort selbstverständlich ist.“ An der Stelle wünscht sich Frau Adler mehr Selbstbewusstsein und Haltung seitens der Altenpflegerinnen und Altenpfleger: „Viele haben sich selbst einen Stempel aufgedrückt und denken, dass man ihnen diese Professionalität gar nicht zutraut und von ihnen auch nicht erwartet. Das muss aufhören. Altenpfleger/innen tragen eine größere Verantwortung. Sie müssen in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, etwa: „Muss ich einen Arzt informieren, oder nicht?“ Deswegen lege ich bei meinen Schülerinnen und Schülern sehr viel Wert auf Fachsprache. Auch wenn es sie manchmal nervt“, sagt sie lachend. Ihren Anleitungsstil erleben ihre Schüler*innen übrigens als streng und zugewandt. Dazu Frau Adler: „Das erfüllt mich mit Stolz.“

Als Ökotrophologin hat sie den Wunsch, das Wissen in der Ernährungslehre mehr in den Fokus der Ausbildung zu setzen. „Aktuell wird das in der Ausbildung zu stiefkindlich behandelt. Ich weiß aber, dass man mit entsprechender Ernährung sicherlich auf das ein oder andere Medikament verzichten könnte.“

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