Den Blick richten auf das, was gelingt

Blühende Erlebnisse finden sich in Elisabeth Wessels‘ Biografie viele. Die gelernte Floristin arbeitete nur kurz in ihrem ersten Beruf, denn sie erkannte, dass die Arbeit mit und am Menschen ihr mehr gibt. Heute arbeitet sie Hand in Hand mit Pflegekräften in einem Altenwohnheim der Caritas Münster.

Während eines Praktikums in einer Behindertenwerkstatt hatte Elisabeth Wessels (51) ein Aha-Erlebnis: Dort lernte sie eine Ergotherapeutin kennen und sah, wie wirkungsvoll die teils medizinische und teils handwerkliche Arbeit ist. Bereits vor 28 Jahren ließ sie sich zur Ergotherapeutin ausbilden. Doch damit nicht genug: Frau Wessels machte zahlreiche Zusatzqualifikationen, beispielsweise zur Heilpraktikerin sowie in TCM und Homöopathie. Eine Zeit lang war sie freiberuflich tätig. „Ich hatte das Bedürfnis nach kollegialem Austausch“, sagt Frau Wessels rückblickend.

Schauen, was geht – und nicht, was nicht geht

Dann erblickte sie eine Stellenanzeige der Caritas Münster. Es wurde eine Ergotherapeutin auf 20-Stunden-Basis gesucht. „Mich reizte die Arbeit am alten Menschen – denn wir werden alle irgendwann mal alt.  Außerdem passt die halbe Stelle gut in mein Leben und ich habe es nicht weit von zuhause“, erzählt sie.  Und es reizte sie der Austausch mit Arbeitskollegen. Heute unterstützt die 51-Jährige die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenwohnheim St. Lamberti dabei, ihre körperlichen Fähigkeiten zu verbessern und so verlorengegangene Handlungsfähigkeit wieder ein Stück weit zurückzugewinnen.

 

In ihrem Beruf schaut sie nicht auf Defizite, sondern auf Möglichkeiten. So führt sie Wasch- und Anziehtrainings durch und unterstützt Menschen mit erheblichen Einschränkungen dabei, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern. „Wir haben bei einem Bewohner festgestellt, dass er schlecht sehen kann und das Essen nicht mehr erkannt hat. So haben wir ein dunkles Tischset hingelegt und einen weißen Teller draufgestellt. Dann  konnte er sein Essen wieder finden“, berichtet Frau Wessels. Da gilt es, kreativ zu sein. Bei Menschen mit motorischen Einschränkungen kommt beispielsweise ein bestimmtes Essbesteck zum Einsatz. Werden solche Hilfsmittel benötigt und sind im Haus nicht vorhanden, werden sie besorgt.

Auch basale Stimulation in Form von Massagen gehören zum Repertoire von Frau Wessels,  vor allem bei den Menschen, die bettlägerig sind.

Zur Pflege aufschließen

„Ich schaue ganz individuell, welche Ressourcen der Bewohner noch hat und welche Fähigkeiten wir erhalten können.“ Und: Je selbständiger ein Bewohner ist, umso weniger Aufwand hat die Pflege.  Ergotherapeuten ersparen den Pflegekräften, Essen anzureichen. Die Pflegekräfte können sich stattdessen auf die eigentliche Pflege konzentrieren.

 

 

Außerdem erleichtert Frau Wessels zum Teil den Einstieg für die Pflegekräfte, denn die Ergotherapeutin kann sich Zeit für die Bewohner nehmen, sie fassen Vertrauen zu ihr und erlangen ein neues Selbstwertgefühl.  Gleichzeitig sinkt dadurch auch die Angst der Bewohner vor der Durchführung der Pflege, die oftmals eine sehr nahe und intime Situation darstellt. „Wir kommen dank der Arbeit der Ergotherapeuten viel gezielter an den Bewohner heran und können uns auf die medizinische Profession konzentrieren“, erklärt Cornelia Wewers, Pflegefachkraft im Altenwohnheim St. Lamberti. Das ist mehr als satt und sauber: Die Bewohnerinnen und Bewohner bekommen ein großes Stück an Lebensqualität zurück. Wünschen wir uns das nicht alle, wenn wir mal alt sind?

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