Mein Beruf passt in mein Leben

Die Arbeit in der Pflege kann individuell und familienfreundlich organisiert werden. Ann Kathrin Thies vom Meyer-Suhrheinrich-Haus zeigt, wie es bei ihr mit Familie und Beruf klappt.

Ann Kathrin Thies arbeitet in der Altenpflege – nichts anderes kommt für sie in Frage. Warum? Dazu müssen wir kurz zurückschauen: Nach der Realschule ging es zunächst auf eine Berufsfachschule im Gesundheitswesen. So konnte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn sie wollte nicht nur das Fachabitur erlangen sondern gleichzeitig auch eine Orientierung über Jobs in der Gesundheitsbranche erhalten. Als dann schließlich 2010 das Praktikum im Mathildenstift anstand, waren die Würfel gefallen. „Nach diesen ersten Eindrücken kam für mich nur eine Ausbildung in der Pflege in Betracht“, lautete ihre Zwischenbilanz, nachdem Frau Thies zuvor ins Krankenhaus und auch in die Welt der Apotheken reinschaute. Gesagt, getan.

Nachdem Ann Kathrin Thies das Fachabitur in der Tasche hatte, ging es schnurstracks in die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin, die sie im Altenhilfe-Zentrum St. Clemens absolvierte. Doch damit waren 2015 der freudigen Ereignisse nicht genug. Sie wurde schwanger, mit John, wie sich später herausstellte, und dessen lebhafte Präsenz im Gespräch mit Ann Kathrin Thies das Thema „Work-Life-Balance“ auf ganz praktische Weise auf den Tisch brachte. Für den Arbeitgeber, mittlerweile das Meyer-Suhrheinrich-Haus des Altenhilfe-Zentrums St. Clemens in Münster-Hiltrup, ist das zunächst nur menschlich gesehen eine freudige Nachricht, denn frischgebackene Fachkräfte sind bekanntlich rar. Und wegen der ‚Umstände‘ hatte sie bereits früh in der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot, um das ungeborene Kind vor Risiken zu schützen.

Würde der Arbeitgeber da mitziehen?

Nach der einjährigen Familienzeit schließlich kehrte Ann Kathrin Thies Mitte 2017 an ihren Arbeitsplatz zurück. Ach ja, wir wollten über „Work-Life-Balance“ sprechen, „einen Zustand, in dem Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang stehen“, wie es Wikipedia auf den Punkt bringt. Dieses Thema stand jetzt ganz oben auf der Liste. Geht das überhaupt in einem Pflegeberuf? Würde der bisherige Arbeitgeber mitziehen? Ihr ein passendes Angebot unterbreiten? Wenn sie denn da Sorgen gehabt hätte, wären sie unangebracht gewesen. Nach ein paar Überlegungen konnte Ann Kathrin Thies genau das tun, was ihr vorschwebte – ihr Arbeitgeber bot ihr die Möglichkeiten, die sie brauchte. Mit 20 Stunden in der Woche stieg sie wieder in der Hausgemeinschaft des Meyer-Suhrheinrich-Hauses ein. Überwiegend zeitlich flexibel im Tagdienst. Wenn ihre private Situation es erfordert, dann kann sie ihren Dienst auch mal erst um 7.30 Uhr antreten oder auch einen Dienst tauschen, weil die Kollegen mitziehen. Auch gelegentliche Nachtdienste stehen auf der Liste, die sie gerne macht, weil in diesen vermeintlichen Ruhestunden oft mehr los ist als sich Außenstehende vorstellen können.

„Was ich dann wahrnehme, so etwas wie Glück, das überträgt sich dann auch auf mich.“

Ann Kathrin Thies betont immer wieder, wie wichtig ihr die Arbeit im Meyer-Suhrheinrich-Haus ist. Dort ist das Leben der überwiegend dementen Bewohner sehr familiär, obwohl diese ‚Versorgungsform‘ formell den stationären Einrichtungen zugeordnet wird. Der Kontakt mit den dort wohnenden Menschen wird großgeschrieben, das Zwischenmenschliche hat einen hohen Stellenwert. „Den Bewohner morgens schön für den Tag zu machen, so wie er es möchte, das gibt mir total viel“, sagt sie. In der Hausgemeinschaft kann sie den Menschen nah sein, was ihrem herzlichen Naturell sehr entgegenkommt. Was bedeutet Glück in der Hausgemeinschaft? Pause. Nachdenken. Dann ein Beispiel: „Ich habe es hier überwiegend mit dementen Bewohnern zu tun. Da verändern sich auch die Gesichter, sind manchmal wächsern. Es sind schöne Momente, wenn ich an einer Bewohnerin vorbeigehe, sie scherzhafte knuffe und dann ein Lächeln sehe. Was ich dann wahrnehme, so etwas wie Glück, das überträgt sich dann auch auf mich. Dann fühle mich fast zuhause.“

Ann Kathrin Thies unterstreicht den professionellen Anspruch ihrer Tätigkeit. Sie ärgert sich, dass oft nur die ‚ekligen‘ Aspekte gesehen werden. „Dabei ist das nur ein kleiner Teil der Arbeit!“ – für den man zugegebenermaßen geschaffen sein muss. Aber auch das kann man lernen. In dem Zusammenhang hat Ann Kathrin Thies noch einen Rat für Interessierte parat: „Ich würde auf jeden Fall jedem ein paar Schnuppertage empfehlen.“ Es müssen nicht immer gleich Wochen sein, meint sie, ein paar Tage reichen oft schon aus, um zu erkennen, ob es ‚passt‘. Was ist persönlich als Voraussetzung wichtig, um in diesem Job zu arbeiten? „Man muss Wertschätzung gegenüber dem alten Menschen mitbringen.“

Wie wird es weitergehen mit ihrer Karriere in der Pflege? „Ich bin ja noch jung,“ sagt Frau Thies, hat aber ein Fernziel. Sie möchte es gerne bis zur Einrichtungsleitung bringen. Mindestens. Zuvor schweben ihr eine Reihe von Weiterbildungen vor. Sie interessiert sich zum Beispiel dafür, gerontologische Fachkraft zu werden, das könnte man berufsbegleitend absolvieren. „Es gibt so viele Möglichkeiten“, wie etwa ein Stipendium, um Pflegemanagement zu studieren. In den nächsten Jahren möchte sie jedoch in jedem Fall in der Altenpflege bleiben, um weitere Erfahrungen im Berufsfeld zu sammeln.

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