Impfrate in der Pflege auch ohne Pflicht hoch

Münster, 08.12.2021: Im Vodcast „Impfpflicht und Testungen in der Pflege“ haben Susanne Bönninghoff, Einrichtungsleiterin aus dem Altenheim Friedrichsburg, und Roland Weigel, Koordinator der Initiative „Starke Pflege in Münster“, Zwischenilanz zur aktuellen Coronasituation gezogen und sich über die vieldiskutierte Impfpflicht für die Pflege ausgetauscht.

Eine Erhebung unter den 15 Arbeitgebern der „Starken Pflege in Münster“ hat ergeben, dass rund 94 % der Mitarbeitenden doppelt geimpft sind. In der Friedrichsburg sind es sogar 96 %. „Wir haben viel Überzeugungsarbeit geleistet, sonst hätten wir diese hohen Impfquoten nicht erreicht,“ unterstreicht Susanne Bönninghoff, die seit 26 Jahren in der Friedrichsburg arbeitet. Sie ärgert sich über die Debatte zur besonderen Impfpflicht in der Pflege: „Es entsteht der Eindruck, dass Pflegekräfte Schuld an den Impfdurchbrüchen in den Einrichtungen und der hohen Indzidenz insgesamt sind.“ Das ist aus ihrer Sicht aber völlig falsch und frustriert auch die Beschäftigten. „Die Mitarbeiter sehen, dass viele ungeimpfte Besucher in die Einrichtung kommen während sie mit einer Imppflicht konfrontiert werden“, beschreibt Susanne Bönninghoff den Frust der Mitarbeitenden.

Hand in Hand gegen Impdurchbruch gearbeitet
Einen Impfdurchbruch hat das Haus auch schon erlebt. Da wurde wieder Hand in Hand gearbeitet und der Ausbruch war schnell unter Kontrolle. Auch dank der guten Kooperation mit der Stadt. Die Einrichtungsleitererin lobt: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt war mal wieder vorbildlich und reibungslos. Das hat man nicht besser machen können. Wir hatten 24 Stunden einen festen und kompetenten Ansprechpartner.“

Hohe Impfquote hat sehr geholfen
Insgesamt hat sich aus Sicht von Susanne Bönninghoff die Lage deutlich entspannt. Seit dem 06. Oktober sind die Bewohner „geboostert“, die Anfang des Jahres geimpft worden sind. Bewohner, die während des Jahres eingezogen sind, werden jetzt nach und nach aufgefrischt. „Die Impfungen haben zu deutlichen Erleichterungen geführt. Die hohe Impfquote hat uns sehr geholfen“, zieht die Einrichtungsleiterin ein positives Fazit, das aus ihrer Sicht nicht nur für die Friedrichsburg sondern für die Pflegeeinrichtungen und -dienste in der Stadt insgesamt gilt.
Weihnachten wird schwierig
Auch die anderen Schutzmaßnahmen funktionieren gut. Die eng getackteten Testungen hat Susanne Bönninghoff dank der guten Kontakte zur Universität organisiert: „Wir haben acht Medizinstudenten und können ein engmaschiges Angebot machen.“ Auf Weihnachten blickt sie mit gemischten Gefühlen. „Bewohner, die viel Fernsehen gucken, sind doch sehr besorgt. Weihnachten werden wir in kleinen Kreisen feiern können. Das ist vor allem schade für die Mitarbeitenden, die doch jetzt viel haben aushalten müssen.“

Mitarbeiter bereiten Sorgen
Aktuell macht sich Susanne Bönninghoff Sorgen um ihre Mitarbeitenden: „Die Auffrischungsimpfungen für unsere Beschäftigten sind schwierig zu organisieren, weil auch die Ärzte am Limit arbeiten.“ Wer eine Impfpflicht fordert sollte vielleicht zuerst dafür sorgen, dass genug Impfstoff vorhanden ist und verteilt werden kann. Susanne Bönninghoff ist für eine allgemeine Impfpflicht: „Eine besondere Impfpflicht ärgert mich schon. Das erleben die Beschäftigten schon als ungerecht.“ Wegen der Impfpflicht erwartet Susanne Bönninghoff aber keine Flucht von Mitarbeitenden aus der Pflege. „Mitarbeiter verlassen die Einrichtungen wegen der hohen Belastungen, aber nicht wegen der Impfpflicht.“

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