Meine Konfession? – Ich bin Mensch!

„Die ersten fünf Minuten im Praktikum haben mein Leben sofort verändert!“ Wenn Ümit Comba von seinem beruflichen Wechsel erzählt, fangen nicht nur seine Augen an zu strahlen. Das Schwärmen für seinen neuen Beruf ist ansteckend.  Der 33-Jährige ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zur Altenpflegefachkraft und hat damit seine „Aufgabe im Leben“, wie er selbst sagt, gefunden.

„Als ich das Vorstellungsgespräch im Haus Simeon hatte, wurde natürlich auch das christliche Leitbild der Diakonie besprochen – die Frage nach meiner Konfession konnte ich aber schnell und klar beantworten: Ich bin ein Mensch!“

Das war und ist für den gelernten Restaurantfachmann auch heute noch wichtig. Und kam beim Arbeitgeber gut an. „Ich respektiere jede Glaubensrichtung, aber der Mensch an sich steht für mich einfach im Vordergrund“, sagt Ümit, der muslimischen Glaubens ist aber auch betont, „dass die Achtung vor dem Glauben Anderer groß ist“ und er diesen für die Diakonie auch gerne nach Außen trägt. Generell, so ist sich Ümit Comba sicher, sei die Achtung der Bewohner und auch untereinander wichtiger als alles andere.

In der Gastronomie habe er zwar auch mit Menschen gearbeitet, aber „in meinem jetzigen Beruf erfahre ich wirkliche Wertschätzung“, ist der junge Auszubildende überzeugt. „Eine Erfahrung, die mir sehr viel gibt und mich meinen Job auch sehr gerne machen lässt.“

Seine Ausbildung in der Gastronomie hat Ümit Comba in einem 4-Sterne-Hotel absolviert – eine strenge Ausbildung mit viel Disziplin. Glücklich, so der Münsteraner, war er jedoch mit dieser Arbeit nicht. Über eine ältere Dame aus seiner Nachbarschaft, für die der 33-Jährige öfter Besorgungen machte und sich ein bisschen kümmerte, kam der Kontakt zum Haus Simeon zustande. „Meine Nachbarin hat dort selbst früher gearbeitet und auf ihre Meinung wurde wohl noch viel gegeben“, sagt Ümit Comba, der bei dieser Erinnerung schmunzeln muss. „Ein Anruf von ihr: und einen Tag später habe ich schon im Vorstellungsgespräch gesessen.“ Da gab es dann die Wende im Leben des sympathischen Mittdreißigers. Am gleichen Tag noch lernte Ümit Comba seine heutigen Kollegen kennen und bekam einen Einblick in seinen neuen Arbeitsbereich. Der Wendepunkt:  „Ich empfinde meinen jetzigen Job als weitaus sinnstiftender, als alles, was ich bisher gemacht habe.“

Ein komplett neuer Mensch ist Ümit Comba natürlich nicht geworden; aber reifer und erwachsener. „Den alten Ümit vermisse ich nicht – denn früher habe ich selbst viele Vorurteile und ein gefährliches Halbwissen gehabt, wenn es um die Pflege von alten Menschen ging.“   Für viele hieße Altenpflege eben immer noch: Popo abwischen — also ein Job, den keiner machen möchte. „Aber das ist das kleinste Problem“, ist Ümit Comba überzeugt. „Pflege ist das ganze Leben. Man pflegt Beziehungen, Freundschaften und man pflegt sich selbst.“ Das sei einfach wichtig zu wissen. „Ich bin in meinem Job Berater, Begleiter und Beschützer zugleich.“

Dass er selbst einen Migrationshintergrund hat, sieht Ümit Comba eher als Vorteil. „Zum einen wird der Anteil pflegebedürftiger Menschen aus anderen Kulturen in unseren Heimen immer größer – auf der anderen Seite wirke ich sehr gut als Multiplikator bzw. Markenbotschafter für meinen Beruf.“ Er könne Jugendliche gut packen und motivieren. „Ich bin für viele einfach sehr authentisch und kann auch die Jugendlichen, die etwas orientierungslos sind, gut erreichen.“

 

Und dank seiner Ausbildung als Restaurantfachmann vermittelt er jungen Menschen, was sie teilweise von zuhause nicht mehr mitbekommen: Gute Umgangsformen. Wir sagen: Weiter so, Herr Knigge!

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