„Das haben wir gut weggesteckt.“

Über ein Jahr dauert nun schon der Ausnahmezustand an, der in der Coronakrise über uns alle hereingebrochen ist. Es ging und geht dabei nicht zuletzt um den Schutz der besonders gefährdeten Menschen. Dazu zählen in erster Linie ältere und pflegebedürftige Menschen, die in stationären Einrichtungen der Altenpflege leben. Es wird viel über diese Personen gesprochen und spekuliert, wie es ihnen in der Pandemie so ergangen ist. Wir haben mit Heidemarie Baumgardt und Peter Buschkötter gesprochen. Beide haben die letzten zwölf Monate im Papst-Johannes-Paul-Stift der Caritas in Münster erlebt. Was ihnen dabei zugestoßen ist und was sie sich für die Zukunft wünschen, haben Sie in einem Vodcast der Initiative „Starke Pflege in Münster – Die Pflegemodellregion“ erzählt. Begleitet wurden sie dabei von Julia Böhm, die als Musiktherapeutin in der Einrichtung arbeitet und sich während eines Ausbruchs im Haus mit Corona infiziert hat.

Nachdem die Corona-Pandemie seit März 2020 den Alltag im Papst-Johannes-Pauls-Stift schon stark durcheinandergebracht hatte, kam es im November auch noch zu einem akuten Ausbruch im Haus. Peter Buschkötter wurde als einziger seiner Tischgruppe aus dem Speisesaal von einer Infektion verschont. „Das Virus mag offenbar keine Schlaganfallpatienten, ich habe Glück gehabt“, erzählt der 80jährige. Im Sommer 2018 hatte der alleinlebende Rentner einen Schlaganfall, der ihn aus heiterem Himmel niedergestreckt hat. Nach dem Krankenhausaufenthalt ist er dann im November des gleichen Jahres in das Caritas-Haus gezogen.

Heidemarie Baumgardt hat nur knapp zwei Monate unter „normalen“ Umständen im Papst-Johannes-Paul-Stift erlebt. Sie ist im Januar 2020 eingezogen. Der Corona-Ausbruch im Haus hat sie zwar persönlich verschont, aber ihren Alltag noch einmal mächtig durcheinandergewürfelt. „Ich musste umziehen, weil mein Wohnbereich zur Quarantänestation erklärt worden ist. Das war nicht schön, ich kannte da ja niemanden und konnte auch nichts aus meinem Zimmer mitnehmen“, beschreibt Heidemarie Baumgardt. Aus ihrem vertrauten Wohnbereich sind einige Menschen an Corona verstorben. „Am Ende hat mir meine Malerei durch die Krise geholfen“, erzählt sie. Fast acht Wochen hat sie isoliert in ihrem Zimmer gelebt und gemalt.

Über Weihnachten konnte sie dann endlich mal wieder ein paar Tage mit ihrer Familie verbringen. Das war eine schöne Abwechslung. Bis dahin gab es nur „Zaungespräche“ draußen im Garten oder Kontakt hinter einer Scheibe im Speisesaal. Ihr Enkelkind hat sie nur auf Abstand sehen können.

Beide Gesprächspartner haben inzwischen die Impfungen hinter sich. „Das haben wir gut weggesteckt“, bilanziert Heidemarie Baumgardt und ihr männlicher Gesprächspartner fügt fast schon beiläufig hinzu: „Als Kinder sind wir ja auch oft geimpft worden und die Grippeimpfung mache ich jedes Jahr mit. Das ist doch keine große Sache.“

Jetzt hoffen beide inständig, dass Corona endlich schnell vorbeigeht. Auf die Frage nach den Wünschen für die Zeit nach der Pandemie lacht Peter Buschkötter kurz auf und sagt dann wie aus der Pistole geschossen: „Wein, Weib und Gesang!“ Als erstes will der ehemalige Buchhändler mal wieder an einer Buchauktion teilnehmen. Als „Bücherwurm“ hat ihn nämlich das Lesen gut durch die Coronakrise gebracht.

Julia Böhm lobt rückblickend den Zusammenhalt im Team. „Wir waren unterwegs wie die Feuerwehr.“ Sie selbst hat eine Coronainfektion durchgemacht. „Ich habe ein gutes Imunsystem und hatte einen sehr milden Verlauf.“ Ihr größter Wunsch für die nächste Zeit: „Endlich mal wieder ohne Schutzmaske arbeiten. Musiktherapie mit Maske ist nämlich sehr schwer.“

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Lesen Sie dazu auch den Beitrag über die Erfahrungen im Achatius-Haus der Alexianerin Münster.

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