Eine Powerfrau, die jede Hürde meistert

Eine Alleinerziehende macht Karriere

Wie schafft man es, alleine mit zwei pubertierenden Kindern in einem fremden Land und geringen Deutschkenntnissen beruflich Fuß zu fassen und sich immer weiter fortzubilden? Joanna Kryzkawska erzählt uns, wie sie es geschafft hat.

Mutig und zielstrebig sein, sich gut strukturieren können und nie stehen bleiben – so beschreibt Joanna Kryzkawska ihre Stärken. Nach dem Abitur studierte sie in Polen Touristik und leitete später mit ihrem Mann ein Unternehmen. Die 45-Jährige kam im Jahr 2004 mit Mann und Kindern nach Deutschland. Nach einem Jahr trennten ihr Mann und sie sich, und da stand sie dann mit zwei kleinen Kindern und wenigen Sprachkenntnissen. „Mein Vermieter sah meine Verzweiflung und ermutigte mich“, berichtet sie. „Zurück nach Polen können Sie immer. Versuchen Sie es doch hier erst mal“, sagte er.

Er erzählte ihr von einem Altenheim in Mecklenbeck, dort suche man Mitarbeiter für die Altenpflege. Gesagt, getan. „Altenpflegeeinrichtungen kannte ich bis dahin gar nicht. In Polen pflegt man die älteren Menschen zuhause. Mich hat das irgendwie bedrückt: ich sah alte Menschen, die bedürftig waren und sich sehr über jeden Kontakt zu anderen Menschen freuten“, erzählt Frau Kryzkawska.

Sie wurde neugierig. „Ich bekam das Angebot, als Pflegehilfeassistentin für einen Tag auf Probe zu arbeiten und hab’s versucht“, berichtet sie. Die Arbeit im Meckmannshof hat ihr gut gefallen, sie war nachmittags zuhause, konnte sich um die Kinder kümmern und stetig ihre Sprachkenntnisse verbessern. Die dortige Pflegedienstleitung sah ihr Talent und ihr Potenzial und motivierte Joana zu einer Ausbildung zur Pflegefachkraft, die sie 2009 begann – mit gutem Gewissen, denn die Kinder waren mittlerweile etwas älter.

„Meine Stärken sind Organisation und Kommunikation. Ich beobachtete, dass das in der Pflege gebraucht wird“, erklärt sie. Die Sprache hat sie ohne Deutschkurs gelernt, ihre Lateinkenntnisse und die ständige Kommunikation im Pflegeheim halfen ihr, schnell sprachsicher zu werden.

Nach der Ausbildung wechselte sie zweimal den Träger, wollte schauen, wie es woanders läuft – um dann wieder zurück in die Evangelische Perthes Stiftung zu wechseln. Im Meckmannshof konnte man ihr keine Stelle anbieten, denn Joana wollte unbedingt in den Nachtdienst. Dort arbeitet man in der Regel fünf Nächte und hat dann fünf Tage frei. Diese Schicht würde es ihr ermöglichen, sich tagsüber um die Kinder zu kümmern und genügend Zeit zum Lernen zu haben – denn Frau Kryzkawska wollte eine Fortbildung zur Leitungskraft absolvieren. Ihre Kollegin aus dem Meckmannshof nahm Kontakt zum Perthes Haus auf, und dort arbeitete sie dann im Nachtdienst. Das war im Jahr 2015, in 2016 begann Joana mit ihrer Fortbildung und fuhr deswegen einmal wöchentlich nach Dortmund. Im April 2018 erlangte sie ihr Examen. Nach drei Jahren verlässt sie nun die Nachtschicht und wird als stellvertretende Pflegedienstleitung im Perthes Haus arbeiten.

Wie schafft sie das alles? „Ich bin sehr strukturiert, stecke mir Ziele. Unterm Strich hat immer alles funktioniert, denn ich habe mir Unterstützung geholt“, berichtet sie. Ihre Kinder hat sie nie vernachlässigt. Als die beiden Jungen noch kleiner waren, gab es eine Nachbarin, die sich stundenweise um die Kinder kümmerte, so dass sie nie alleine waren. „Das geht alles, wenn man will und sich gut organisiert. Und meine Kinder haben gesehen, was ich leiste und standen mir immer zur Seite. Wir sind ein gutes Team und sprechen über alles. Ich habe tolle Kinder!“ Ihre Zielstrebigkeit gibt sie auch an ihre Kinder weiter. „Mein jüngster Sohn macht gerade das Abitur, mein Ältester arbeitet als Programmierer bei einem großen Telekommunikationskonzern“, berichtet Joana stolz.

Was rät Joana alleinerziehenden Müttern? „Sie haben viele Vorteile: Sie ziehen Kinder groß, lernen geduldig zu sein und sind dadurch gut auf die Pflege vorbereitet. Mir hat das zumindest sehr geholfen“, erzählt sie.  Man sollte mutig sein, findet sie. Es gibt gute Arbeitgeber in der Pflege, die sich auf Dienstzeitwünsche von Müttern einstellen können. Alles in allem ermöglichen Altenpflegeeinrichtungen engagierten Frauen vieles.

Und noch etwas gibt Joana Kryzkawska Frauen mit auf den Weg: „Wenn man beschäftigt ist, ist man glücklicher“.

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